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· 5 Min. Lesezeit· Sandor Farkas

Software-Lizenz-Audit: Wenn der Hersteller nachprüft was Sie nutzen

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Software-Lizenz-Audit: Wenn der Hersteller nachprüft was Sie nutzen

Ein Brief vom Anwalt des Software-Herstellers. Oder eine freundliche E-Mail, die um einen Termin zur "Lizenznachprüfung" bittet. Für viele Unternehmen ist ein Softwarehersteller-Audit der erste Moment, in dem sie merken, dass ihre Lizenzlage nicht stimmt. Und dann ist es oft zu spät für eine ruhige Lösung.

Dieser Artikel erklärt, was ein Lizenz-Audit ist, warum er jeden treffen kann und wie Sie sich vorbereiten, bevor jemand fragt.

Was ist ein Softwarehersteller-Audit?

Ein Softwarehersteller-Audit ist eine formelle Prüfung, bei der ein Hersteller überprüft, ob Sie seine Software korrekt lizenziert nutzen. Der Fachbegriff lautet "Software License Audit" oder "Lizenzaudit".

Das Recht dazu ist in den meisten Lizenzverträgen festgeschrieben. Wer Software kauft oder mietet, stimmt oft zu, dass der Hersteller die Nutzung prüfen darf. Manchmal steht das in langen AGB-Texten, die niemand vollständig liest.

Hersteller, die solche Audits regelmäßig durchführen, sind unter anderem Microsoft, Oracle, SAP, IBM und Adobe. Aber auch kleinere Anbieter nutzen dieses Instrument zunehmend.

Warum findet ein Lizenz-Audit statt?

Die ehrliche Antwort: weil Lizenzprüfungen für Hersteller profitabel sind.

Unternehmen nutzen Software oft in einem Umfang, der nicht exakt mit dem Lizenzvertrag übereinstimmt. Das liegt selten an böser Absicht. Es passiert, weil Software wächst, Teams größer werden, Server hinzukommen und niemand den Überblick behält.

Lizenzverstöße können Nachforderungen in Höhe von Zehntausenden Euro auslösen. Manchmal mehr. Für Hersteller ist ein Audit deshalb ein legitimes Geschäftsmodell.

Typische Auslöser für einen Softwarehersteller-Audit sind ein Unternehmenswachstum, das dem Hersteller auffällt, ein Anbieterwechsel, ein abgelaufener Vertrag oder eine anonyme Meldung durch einen früheren Mitarbeiter.

Was wird bei einem Lizenz-Audit geprüft?

Ein Lizenzaudit durch den Hersteller prüft in der Regel mehrere Dinge.

Installierte Softwarekopien: Wie viele Installationen Ihrer Software laufen auf welchen Geräten oder Servern? Stimmt das mit den erworbenen Lizenzen überein?

Nutzungsrechte: Dürfen Sie die Software so einsetzen, wie Sie es tun? Manche Lizenzen erlauben nur den Einsatz auf bestimmten Gerätetypen oder für bestimmte Nutzergruppen.

Versionsstände: Nutzen Sie eine Version, die Ihr Lizenzvertrag abdeckt? Oder haben Sie Updates eingespielt, die einen neuen Vertrag erfordert hätten?

Virtuelle Umgebungen: Wer Software in virtualisierten Umgebungen betreibt, hat oft ein besonderes Problem. Manche Lizenzmodelle rechnen jede virtuelle Instanz als eigene Lizenz.

Das Audit läuft meist über spezielle Software, die Informationen zu Installationen einsammelt. Alternativ fordern Hersteller Berichte aus IT-Asset-Management-Systemen an.

Das besondere Risiko bei Legacy-Software

Für Unternehmen mit Legacy Software ist die Situation besonders heikel.

Alte Systeme wurden oft unter anderen Bedingungen lizenziert. Die Verträge stammen aus einer Zeit, in der Cloud-Nutzung, Virtualisierung und Remote-Arbeit kaum eine Rolle spielten. Was damals korrekt war, kann heute schon ein Verstoß sein.

Hinzu kommt: Ältere Systeme werden selten vollständig dokumentiert. Wer weiß heute noch genau, welche Lizenzen für die ERP-Software aus 2009 gelten? Wer hat die originalen Lizenzschlüssel? Wo liegt der Kaufbeleg?

Diese Lücken kosten im Ernstfall bares Geld. Wenn Sie die Lizenz nicht nachweisen können, wird unterstellt, dass Sie keine hatten.

Was passiert wenn der Audit Unstimmigkeiten findet?

Wenn ein Softwarehersteller-Audit Verstöße aufdeckt, folgt in der Regel eine Nachforderung. Der Hersteller berechnet den "regulären" Preis für alle nicht lizenzierten Nutzungen, oft inklusive Strafaufschlag.

In schweren Fällen drohen rechtliche Schritte. Softwarehersteller wie Oracle sind bekannt dafür, Klagen als Druckmittel einzusetzen.

Wer gut vorbereitet ist, hat deutlich mehr Verhandlungsspielraum. Wer auf dem falschen Fuß erwischt wird, zahlt, was der Hersteller fordert.

So bereiten Sie sich auf einen Lizenz-Audit vor

Sie müssen nicht auf einen Audit warten, um aktiv zu werden. Diese Schritte schützen Sie.

Software-Inventar erstellen: Erfassen Sie alle eingesetzte Software in Ihrem Unternehmen. Welche Produkte laufen auf welchen Geräten? Wer nutzt sie? Wie viele Installationen gibt es?

Lizenzunterlagen sichern: Sammeln Sie alle Kaufbelege, Lizenzschlüssel und Vertragsunterlagen. Digitale Kopien an einem zentralen, gesicherten Ort sind besser als Papierstapel in alten Ordnern.

Nutzung gegen Lizenzen abgleichen: Prüfen Sie, ob Ihre tatsächliche Nutzung mit den vorhandenen Lizenzen übereinstimmt. Das ist unangenehm, wenn man dabei Abweichungen findet. Aber es ist deutlich besser, selbst die Initiative zu ergreifen.

Verträge genau lesen: Was erlaubt Ihr Lizenzvertrag eigentlich? Dürfen Sie die Software auf mehreren Geräten nutzen? Auf virtualisierten Servern? In der Cloud? Viele Unternehmen wissen das nicht genau.

Dieser Prozess ist Teil einer soliden Software-Wartung. Wer seine Software kennt, kennt auch seine Lizenzlage.

Was tun wenn der Hersteller schon anklopft?

Wenn Sie einen Brief oder eine Anfrage erhalten, die auf einen Lizenzaudit hindeutet, gilt: Ruhe bewahren, aber nicht ignorieren.

Nichts unterschreiben, bevor Sie alles gelesen haben. Auditoren kommen mit Formularen. Manches davon ist verhandelbar.

Einen Anwalt einschalten. Ein Fachanwalt für IT-Recht ist hier keine Übertreibung. Die Kosten für rechtliche Beratung sind gering im Vergleich zu möglichen Nachforderungen.

Zeit nutzen. Sie haben in der Regel das Recht auf eine angemessene Vorbereitungszeit. Nutzen Sie diese für eine eigene Bestandsaufnahme, bevor externe Auditoren beginnen.

Kooperativ aber vorsichtig sein. Totalverweigerung schafft Misstrauen und kann rechtliche Konsequenzen haben. Blinde Kooperation ohne Vorbereitung ebenfalls.

Wie Lizenzmanagement in der Praxis funktioniert

Professionelles Lizenzmanagement ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein laufender Prozess. Neue Mitarbeiter kommen, neue Geräte werden beschafft, Verträge laufen aus.

Viele Unternehmen setzen Software-Asset-Management-Systeme (SAM) ein. Diese erfassen automatisch, welche Software wo installiert ist, und gleichen es mit den vorhandenen Lizenzen ab. Für kleinere Unternehmen reicht oft auch eine gepflegte Tabelle, wenn sie konsequent geführt wird.

Wichtig ist, dass jemand die Verantwortung trägt. Lizenzmanagement ohne klare Zuständigkeit endet immer im Chaos.

Mehr zu den rechtlichen Risiken rund um veraltete Software lesen Sie in unserem Artikel zu DSGVO und alter Software.

Fazit: Vorbereitung ist billiger als Nachzahlung

Ein Softwarehersteller-Audit muss kein Schock sein. Wer seine Lizenzlage kennt, hat nichts zu befürchten. Wer sie nicht kennt, sollte das ändern, bevor jemand anderes anfängt zu zählen.

Das klingt aufwändig. In der Praxis reicht für viele Unternehmen schon ein halber Tag Inventarisierung, um die größten Risiken zu identifizieren.

Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen, sprechen Sie uns an. Das Erstgespräch ist kostenlos. Wir helfen Ihnen, einen realistischen Überblick über Ihre Software-Situation zu bekommen, bevor der nächste Brief ins Haus kommt.

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