So erkennen Sie ob Ihre Software ein Sicherheitsproblem hat
Niemand muss Entwickler sein, um erste Warnsignale zu erkennen. Viele Anzeichen für ein Sicherheitsproblem in Software sind sichtbar, wenn man weiß, wo man hinschaut. Dieser Artikel zeigt Ihnen genau diese Stellen. Ohne Fachchinesisch. Ohne Code.
Wenn Sie am Ende dieses Artikels Ihre Website überprüft haben, wissen Sie mehr über ihre Sicherheit als viele Unternehmen, die seit Jahren nichts geprüft haben.
Zeichen 1: Kein HTTPS
Rufen Sie Ihre Website auf. Schauen Sie in die Adressleiste Ihres Browsers.
Steht dort http:// statt https://? Dann übertragen Sie und Ihre Nutzer Daten unverschlüsselt. Passwörter, Formulareingaben, Login-Daten: alles im Klartext.
Das war vor zehn Jahren noch tolerierbar. Heute nicht mehr. Browser wie Chrome und Firefox markieren HTTP-Seiten als "Nicht sicher". Google bestraft sie im Ranking. Und die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) verlangt technisch angemessenen Schutz personenbezogener Daten.
HTTP ohne Verschlüsselung ist das Gegenteil davon.
Ein SSL-Zertifikat (das Sicherheits-Protokoll hinter HTTPS) kostet heute oft nichts mehr. Es gibt kostenlose Lösungen über den Dienst Let's Encrypt. Wenn Ihre Website noch auf HTTP läuft, ist das kein Budget-Problem. Es ist ein Aufmerksamkeits-Problem.
Zeichen 2: Das Schloss-Symbol fehlt oder zeigt eine Warnung
Auch wenn https:// in der URL steht: Schauen Sie auf das Schloss-Symbol links neben der Adresse.
Zeigt der Browser eine Warnung oder ein durchgestrichenes Schloss? Dann stimmt etwas mit dem Zertifikat nicht. Mögliche Gründe: Das Zertifikat ist abgelaufen. Es wurde für eine andere Domain ausgestellt. Oder die Seite lädt externe Inhalte weiterhin über unverschlüsseltes HTTP.
Alle drei Ursachen sind lösbar. Aber sie müssen erst bekannt sein.
Zeichen 3: Fehlermeldungen die Technik-Details verraten
Klicken Sie auf verschiedene Seiten Ihrer Anwendung. Geben Sie absichtlich eine falsche URL ein, zum Beispiel mit einem Tippfehler.
Was erscheint?
Eine freundliche "Seite nicht gefunden"-Meldung ist gut. Ein Fehler-Dump mit PHP-Version, Datei-Pfaden und Zeilennummern ist gefährlich. Diese technischen Details helfen Angreifern, Schwachstellen gezielt zu finden.
Wenn Fehlermeldungen auf Ihrer Website Technik-Informationen enthalten, ist der sogenannte Debug-Modus noch aktiv. Das ist ein klassischer Konfigurationsfehler bei älteren Systemen. Es ist ein deutliches Zeichen: Hier liegt ein Sicherheitsproblem vor, das sich ohne viel Aufwand schließen lässt.
Zeichen 4: Das Copyright-Jahr im Footer ist alt
Öffnen Sie die Startseite. Scrollen Sie ans Ende der Seite.
Dort steht oft ein Copyright-Hinweis mit Jahreszahl. Steht dort noch "© 2018" oder älter? Das ist kein Sicherheitsproblem an sich. Aber es ist ein starkes Indiz dafür, dass die Seite lange nicht aktiv betreut wurde.
Systeme, die niemand aktiv pflegt, werden auch nicht aktualisiert. Fehlende Updates bedeuten: bekannte Sicherheitslücken bleiben offen. Das Angesammelte wächst still weiter.
Zeichen 5: Die CMS-Version ist sichtbar
Viele Websites laufen auf Content-Management-Systemen wie WordPress, Joomla oder Typo3. Diese Systeme verraten ihre Version manchmal im Quellcode der Seite.
So prüfen Sie es: Öffnen Sie die Website. Drücken Sie die Tastenkombination Strg+U (Windows) oder Cmd+U (Mac). Das öffnet den Quellcode der Seite im Browser.
Suchen Sie dort nach Begriffen wie "WordPress", "Joomla" oder "generator content". Was Sie dort finden, zeigt Angreifern, welche Version im Einsatz ist. Und ob bekannte Lücken für diese Version existieren.
Joomla 3 ist seit Ende 2023 End of Life. Ältere WordPress-Versionen erhalten keine Sicherheits-Updates mehr. Wenn Ihr System dort steht, ist das ein konkretes Risiko.
Zeichen 6: Keine Aktualisierungen seit Jahren
Sprechen Sie mit dem Team oder dem Dienstleister, der Ihre Website betreut. Wann wurde das letzte Update eingespielt? Wann wurde zuletzt ein Sicherheits-Patch angewendet?
Wenn die Antwort "wir wissen es nicht" lautet oder "schon länger her": Das ist ein Warnsignal.
Software ohne regelmäßige Updates sammelt technische Schulden an. Sicherheitslücken, die der Hersteller bereits geschlossen hat, bleiben in Ihrem System bestehen. Irgendwann nutzt jemand eine dieser Lücken aus.
Zeichen 7: Kein Ansprechpartner für Sicherheitsfragen
Wissen Sie, wer für die Sicherheit Ihrer Software zuständig ist? Gibt es eine Person oder einen Dienstleister, der das aktiv überwacht?
Wenn die Antwort "nein" oder "unklar" lautet: Das ist ein strukturelles Problem. Sicherheit braucht Verantwortung. Ohne klare Zuständigkeit bleibt sie im toten Winkel.
Das gilt besonders für Unternehmen, bei denen der ursprüngliche Entwickler das Unternehmen längst verlassen hat. Das System läuft. Aber niemand schaut hin.
Zeichen 8: Logins ohne zweiten Sicherheitsfaktor
Hat Ihr System ein Admin-Login? Können sich Nutzer einloggen?
Wenn diese Logins ausschließlich mit Benutzername und Passwort gesichert sind, ist das ein Risiko. Passwörter werden gestohlen, erraten oder durch Datenlecks bei anderen Diensten bekannt.
Zwei-Faktor-Authentifizierung (kurz 2FA) fügt eine zweite Sicherheitsebene hinzu: ein Code per App oder SMS, der zusätzlich zum Passwort eingegeben werden muss. Viele Systeme unterstützen das bereits. Oft ist es nur nicht aktiviert.
Was tun wenn Sie eines dieser Zeichen erkennen?
Zunächst: nicht in Panik verfallen. Kein System ist perfekt. Aber jedes dieser Zeichen verdient Aufmerksamkeit.
Der nächste sinnvolle Schritt ist eine professionelle Prüfung. Kein 100-seitiger Audit, der Monate dauert. Sondern ein gezielter Sicherheitscheck: Was liegt vor? Was muss sofort behoben werden? Was kann warten?
Die Reihenfolge dabei ist wichtig. Nicht alles ist gleich dringend. Kritische Lücken wie HTTP statt HTTPS oder aktive Fehlermeldungen mit Systeminformationen gehören sofort geschlossen. Veraltete CMS-Versionen können in einem strukturierten nächsten Schritt angegangen werden.
Wer einen Dienstleister mit der laufenden Betreuung seines Systems beauftragt, erhält das Schließen solcher Lücken als Teil der regulären Wartung, nicht als teures Extra.
Was passiert wenn diese Zeichen ignoriert werden?
Die meisten Angriffe auf Websites passieren nicht durch gezielten Angriff auf ein bestimmtes Unternehmen. Angreifer scannen das Internet automatisiert nach bekannten Schwachstellen. Systeme, die alte Versionen zeigen oder HTTP nutzen, stehen ganz oben auf der Trefferliste.
Ein erfolgreicher Angriff bedeutet nicht immer, dass jemand die Website sichtbar zerstört. Oft wird die Website heimlich als Spam-Schleuder genutzt. Oder Daten von Besuchern landen in fremden Händen. Oder das System wird Teil eines Botnetzes für weitere Angriffe.
Irgendwann bemerkt es der Betreiber. Dann meistens durch eine Nachricht vom Hosting-Anbieter, eine Warnung von Google oder eine Beschwerde eines Nutzers.
Zu diesem Zeitpunkt ist das Sicherheitsproblem kein rein technisches mehr. Es ist ein Reputationsproblem.
Fazit: Hinschauen kostet nichts
Die meisten der beschriebenen Zeichen kann jeder in wenigen Minuten selbst prüfen. Kein Code, kein Fachwissen notwendig.
Wenn Sie dabei eines der Warnsignale erkennen: Das ist kein Versagen. Es ist Information. Und Information ist der erste Schritt zu einer Lösung.
Sprechen Sie uns an. Das Erstgespräch ist kostenlos. Wir schauen uns Ihr System an und sagen Ihnen ehrlich, wo Sie stehen und was als nächstes sinnvoll ist.