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· 6 Min. Lesezeit· Sandor Farkas

Was ist Vibe Coding? Erklärung für Entscheider und Manager

KI & ModernisierungVibe CodingSoftwareentwicklungTechnische Schulden

Vibe Coding, was ist das? Kurz gesagt: Sie beschreiben in normaler Sprache, was eine Software tun soll. Eine KI schreibt den passenden Programmcode. Niemand tippt mehr Zeile für Zeile.

Der Begriff ist keine Randnotiz aus der Entwicklerszene. Das Collins Dictionary wählte „vibe coding" im November 2025 zum Wort des Jahres. Damit ist das Thema im Mainstream angekommen.

Vielleicht hat Ihnen ein Mitarbeiter kürzlich ein fertiges Tool gezeigt. Gebaut an einem Nachmittag, ohne Entwicklerteam, ohne Budgetantrag. Das ist Vibe Coding in der Praxis.

Dieser Artikel erklärt den Begriff und die Werkzeuge dahinter. Und die Fragen, die Sie sich als Entscheider stellen sollten.

Vibe Coding: Was ist das genau?

Der Ablauf ist einfach. Sie öffnen ein KI-Werkzeug und tippen einen Satz. Zum Beispiel: „Baue mir eine Seite, auf der Kunden Termine buchen können."

Die KI liefert funktionierenden Code zurück. Sie schauen sich das Ergebnis an. Gefällt es Ihnen nicht, beschreiben Sie die Änderung. Wieder in normaler Sprache.

Entscheidend ist der zweite Teil des Begriffs. Beim Vibe Coding prüft der Anwender den Code oft gar nicht im Detail. Er prüft nur das Ergebnis. Funktioniert die Buchungsseite? Dann ist die Arbeit getan.

Genau darin liegt der Unterschied zur klassischen Programmierung. Ein Entwickler versteht jede Zeile, die er schreibt. Beim Vibe Coding vertraut man dem Gefühl, dass es passt. Daher der Name.

Woher kommt der Begriff?

Andrej Karpathy prägte den Ausdruck im Februar 2025. Karpathy ist ein bekannter KI-Forscher. Er war zuvor bei OpenAI und Tesla tätig.

Er beschrieb damit seinen eigenen Arbeitsstil bei kleinen Projekten. Sinngemäß sagte er: Man gibt sich ganz dem Gefühl hin. Man vergisst dabei, dass der Code überhaupt existiert.

Karpathy meinte das für Wochenendprojekte. Innerhalb weniger Monate übernahmen Unternehmen die Methode für echte Anwendungen. So war das nicht gedacht.

Welche Werkzeuge stecken dahinter?

Der Markt ist groß geworden. Für Entscheider reicht es, drei Kategorien zu kennen.

Chat-Werkzeuge: Sie beschreiben Ihr Problem im Chatfenster und erhalten Code. Das ist der einfachste Einstieg.

Editoren mit KI: Hier arbeitet die KI direkt in der Entwicklungsumgebung. Sie kennt das gesamte Projekt. Sie ändert mehrere Dateien gleichzeitig.

Agenten: Diese Werkzeuge arbeiten selbstständig über längere Zeit. Sie planen Schritte, schreiben Code, testen ihn und korrigieren Fehler. Wir haben das Thema in unserem Beitrag zu Agentic AI in der Legacy-Modernisierung ausführlicher behandelt.

Alle drei Kategorien liefern beeindruckende Ergebnisse. Bei einfachen Aufgaben sind sie schnell und günstig. Das sollte man nicht kleinreden.

Warum das für Entscheider relevant ist

Vielleicht denken Sie: Das ist ein Thema für die IT-Abteilung. Ist es nicht.

Software entsteht jetzt außerhalb der IT

Früher brauchte jede Anwendung ein Budget und ein Entwicklerteam. Heute baut die Fachabteilung ihr eigenes Werkzeug. An einem Nachmittag, ohne Rücksprache.

Das ist erst einmal gut. Probleme werden schneller gelöst. Aber niemand weiß mehr, welche Software im Unternehmen läuft.

Fragen Sie sich: Wer wartet dieses Tool in zwei Jahren? Wer prüft, ob es Kundendaten sicher speichert? Wer weiß überhaupt, dass es existiert?

Die Kosten verschieben sich

Die Erstellung wird billiger. Der Betrieb nicht. Genau hier liegt die Falle.

Ein Prototyp entsteht in Stunden. Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Sicherheit, Datenschutz, Schnittstellen, Updates, Fehlersuche. Diese Posten verschwinden nicht, nur weil die KI schneller tippt.

Wer die Ersparnis beim Bauen mit der Ersparnis beim Betreiben verwechselt, rechnet sich reich.

Wartbarkeit wird zum Engpass

KI-generierter Code funktioniert oft. Aber er ist nicht immer gut strukturiert. Die KI kennt Ihr Unternehmen nicht. Sie kennt keine internen Konventionen und keine gewachsenen Zusammenhänge.

Das Ergebnis: Code, den niemand im Haus vollständig versteht. Nicht einmal der, der ihn erzeugt hat.

Damit entstehen technische Schulden in einem Tempo, das viele unterschätzen. Der Begriff beschreibt Aufwand, den Sie später nachholen müssen. Wir haben ihn in einem eigenen Artikel genauer erklärt.

Ihr Legacy-System bekommt neue Nachbarn

Viele Unternehmen betreiben gewachsene Systeme. Diese laufen oft seit Jahren zuverlässig. Sie sind dokumentiert, getestet und verstanden.

Jetzt kommen KI-generierte Werkzeuge dazu. Sie greifen auf dieselben Datenbanken zu. Sie nutzen dieselben Schnittstellen.

Damit verändert sich das Risiko. Ein Fehler im neuen Tool kann das alte System treffen. Wer beide Seiten nicht kennt, findet die Ursache nur langsam.

Alter Code ist dabei nicht das Problem. Bewährte Systeme haben ihren Wert. Das Problem ist die ungeprüfte Verbindung zwischen alt und neu.

Wo Vibe Coding an Grenzen stößt

Hier ist die ehrliche Einordnung. Vibe Coding ist kein Betrug und keine Zauberei. Es ist ein Werkzeug mit klarem Einsatzbereich.

Gut geeignet: Prototypen, interne Hilfsmittel, einmalige Auswertungen, kleine Automatisierungen. Also alles ohne sensible Daten und ohne lange Lebensdauer.

Kritisch: Alles, was Kundendaten verarbeitet. Alles, was Geld bewegt. Alles, was länger als ein Jahr laufen soll.

Ungeeignet ohne Fachprüfung: Systeme mit gesetzlichen Anforderungen. Also DSGVO, Buchhaltung, Medizintechnik, Personaldaten.

Die Grenze verläuft nicht zwischen „KI" und „Mensch". Sie verläuft zwischen geprüftem und ungeprüftem Code.

Eine KI kann durchaus sicheren Code schreiben. Aber sie kann nicht beurteilen, ob Ihr Sicherheitskonzept stimmt. Diese Verantwortung bleibt bei Ihnen.

Was Sie jetzt konkret tun können

Sie müssen Vibe Coding nicht verbieten. Das würde ohnehin nicht funktionieren. Diese vier Schritte helfen mehr.

Verschaffen Sie sich einen Überblick

Fragen Sie in den Fachabteilungen nach. Welche Werkzeuge sind in den letzten zwölf Monaten entstanden? Wer nutzt sie? Welche Daten laufen durch?

Oft ist allein diese Liste eine Überraschung.

Legen Sie eine einfache Grenze fest

Eine Regel reicht als Anfang. Zum Beispiel: Alles, was personenbezogene Daten verarbeitet, geht vorher durch die IT.

Halten Sie die Regel kurz. Lange Richtlinien liest niemand.

Lassen Sie kritischen Code prüfen

Bei Anwendungen im produktiven Betrieb lohnt sich ein fachlicher Blick von außen. Dabei geht es um Sicherheitslücken, Datenschutz und Wartbarkeit. Unsere Software-Wartung deckt genau diesen Bereich ab.

Ein Audit dauert meist wenige Tage. Ein Sicherheitsvorfall kostet deutlich mehr.

Klären Sie die Zuständigkeit

Jede Anwendung braucht einen Verantwortlichen. Auch die, die an einem Nachmittag entstanden ist.

Ohne Zuständigkeit wird aus dem schnellen Helfer ein Fall für später. Und später ist meist teurer.

Fazit

Vibe Coding ist gekommen, um zu bleiben. Der Begriff beschreibt eine echte Veränderung, keine Modeerscheinung.

Für schnelle Ideen ist die Methode hervorragend. Für Systeme, die Jahre laufen sollen, braucht es mehr als ein gutes Gefühl. Es braucht Prüfung, Struktur und jemanden, der sich zuständig fühlt.

Der Code selbst ist dabei nicht das Problem. Das Problem ist der fehlende Plan danach. Genau hier sammelt sich an, was Sie später tilgen müssen.

Sie wissen nicht genau, welche KI-generierten Anwendungen bei Ihnen laufen? Oder ob eine davon in kritische Bereiche reicht? Sprechen Sie uns an. Wir schauen uns das an und sagen Ihnen ehrlich, wo Handlungsbedarf besteht. Das Erstgespräch ist kostenlos.

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