Strangler-Fig-Pattern: Definition und Bedeutung
Was steckt hinter Strangler-Fig-Pattern? Diese Seite liefert die Definition und ordnet die Bedeutung im Kontext der Software-Wartung ein.
ArchitekturDas Strangler-Fig-Pattern ist ein Architekturmuster, bei dem ein neues System schrittweise vor und um das alte System wächst und dessen Funktionen Modul für Modul übernimmt, bis am Ende nichts vom Altsystem übrig bleibt.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff geht auf den Softwarearchitekten Martin Fowler zurück. Er beobachtete in Australien die Würgefeige, eine Pflanze, die sich um einen bestehenden Baum legt, ihn umwächst und mit der Zeit vollständig ersetzt. Der ursprüngliche Baum verschwindet, aber die Form bleibt erhalten. Genau dieses Bild überträgt das Muster auf die Ablösung alter Software.
Praktisch bedeutet das: Vor das bestehende System wird ein Router oder Proxy gesetzt. Dieser entscheidet bei jeder Anfrage, ob sie noch an das Altsystem geht oder bereits an ein neues Modul, das den jeweiligen Teil übernommen hat. Anfangs läuft fast alles weiter im Altsystem. Mit jedem neuen Modul verschiebt sich die Last. Nach einer Weile sind nur noch Reste übrig. Irgendwann ist das Altsystem leer und kann abgeschaltet werden.
Der Gegenentwurf ist der „Big Bang“: Das alte System wird komplett neu geschrieben und an einem Stichtag durch das neue ersetzt. Diese Strategie scheitert in der Praxis häufig, weil sie alle Risiken auf einen Tag bündelt und während der gesamten Projektlaufzeit keine neuen Funktionen geliefert werden können.
Warum das für Ihr Unternehmen relevant ist
Das Strangler-Fig-Pattern verteilt das Risiko. Jeder Schritt ist klein, jeder Schritt ist umkehrbar. Wenn ein neues Modul Probleme macht, schaltet der Router den Verkehr zurück auf das Altsystem. Niemand steht morgen vor einem System, das nicht funktioniert.
Außerdem liefert das Muster früh sichtbaren Nutzen. Bereits nach den ersten Monaten läuft ein Teil der Anwendung auf moderner Technik. Sie zahlen nicht zwei Jahre für ein Versprechen, sondern sehen alle paar Monate Fortschritt. Das macht das Vorgehen auch für die Budgetplanung berechenbarer als eine komplette Neuentwicklung.
Beispiel aus der Praxis
Ein Energieversorger mit rund dreihundert Mitarbeitern betreibt ein Kundenportal aus dem Jahr 2009 auf einem alten Java-Stack. Eine Komplettablösung wurde zweimal kalkuliert und beide Male verworfen, weil die Risiken zu groß waren. Stattdessen wird ein Proxy vor das Portal gesetzt. Den Anfang macht die öffentliche Tarifübersicht: Sie wird als eigenständiges neues Modul gebaut und vom Proxy direkt bedient, das alte Portal sieht diese Anfragen nicht mehr. Drei Monate später folgt die Zählerstandserfassung, ein halbes Jahr später der Login-Bereich. Nach zwei Jahren ist das Altsystem auf wenige Rest-Funktionen geschrumpft und wird kontrolliert abgeschaltet. Während der gesamten Zeit nahm keine Kundin etwas vom Umbau wahr.
Das bedeutet das für Sie
Das Strangler-Fig-Pattern ist kein Werkzeug, sondern eine Haltung: lieber viele kleine, überschaubare Schritte als ein riesiges Risiko. Es passt überall dort, wo eine Legacy-Anwendung weiterläuft, geschäftskritisch ist und nicht über Nacht ersetzt werden kann. In Kombination mit einer sauberen Migration der Daten ist es einer der zuverlässigsten Wege zur Modernisierung.
Wir setzen das Muster in unseren Modernisierungsprojekten regelmäßig ein, weil es Risiken klein hält und den Geschäftsbetrieb schützt. In einem unverbindlichen Gespräch prüfen wir, ob sich Ihr System für diesen Weg eignet.