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· 5 Min. Lesezeit· Sandor Farkas

SLA 99,9 Prozent: Was die Zahl wirklich bedeutet

SLAHostingVerfügbarkeit
Abstraktes Titelbild zum Thema SLA 99,9 Prozent: Was die Zahl wirklich bedeutet (KI-generiert)

"Wir garantieren 99,9 Prozent Verfügbarkeit." Diesen Satz finden Sie in nahezu jedem Hosting-Angebot. Er klingt nach beinahe perfektem Betrieb. Tatsächlich erlaubt er fast neun Stunden Ausfall pro Jahr.

Wer die Zahl ohne ihren Kontext liest, unterschätzt das Risiko regelmäßig. Wer sie versteht, kann eine passende Verfügbarkeitsstufe wählen, ohne unnötig zu zahlen.

Dieser Artikel zeigt, was die gängigen SLA-Werte konkret bedeuten, welche Klauseln in Verträgen wichtig sind und welche Stufe für welches Geschäft passt.

Was eine SLA überhaupt ist

SLA steht für Service Level Agreement. Eine vertragliche Zusage, in welchem Umfang ein Dienst zur Verfügung steht. Im Kern geht es meist um drei Dinge: Verfügbarkeit, Reaktionszeit bei Störungen und Wiederherstellungszeit.

Verfügbarkeit ist die bekannteste Größe und wird in Prozent eines Bezugszeitraums angegeben. Mehr Hintergrund im Glossar unter Uptime und Verfügbarkeit.

Die Zahlen, übersetzt in Zeit

Verfügbarkeit in Prozent ist abstrakt. In Ausfallzeit pro Jahr ist sie greifbar.

99 Prozent: rund 3,65 Tage Ausfall pro Jahr. Das sind 7,2 Stunden pro Monat. Für kritische Anwendungen viel zu viel. Für interne Werkzeuge oft akzeptabel.

99,5 Prozent: rund 1,83 Tage pro Jahr. Etwa 3,6 Stunden pro Monat. Für Websites mit moderater Bedeutung tragbar.

99,9 Prozent: rund 8,76 Stunden pro Jahr. Knapp 44 Minuten pro Monat. Der Standard für Business-Hosting. Klingt gut, ist aber für Shops mit Hauptumsatz an wenigen Tagen nicht ausreichend.

99,95 Prozent: rund 4,38 Stunden pro Jahr. Etwa 22 Minuten pro Monat. Bessere Stufe, oft Standard bei Enterprise-Hosting.

99,99 Prozent: rund 52 Minuten pro Jahr. Knapp 4,4 Minuten pro Monat. Diese Stufe verlangt redundante Systeme und kostet entsprechend.

99,999 Prozent: rund 5,26 Minuten pro Jahr. Diese "fünf Neunen" sind Telekommunikations-Niveau. Außerhalb sehr spezieller Anwendungen kaum bezahlbar oder messbar.

Eine Faustregel: Jede zusätzliche Neun verdoppelt bis verzehnfacht die Kosten. Wer von 99,9 auf 99,99 will, baut sein System grundlegend um.

Warum die Zahl allein nicht reicht

Eine SLA-Klausel ist mehr als eine Prozentangabe. Mehrere Punkte entscheiden im Alltag, ob die Zusage etwas wert ist.

Messzeitraum

99,9 Prozent pro Jahr erlauben 8,76 Stunden Ausfall am Stück. 99,9 Prozent pro Monat erlauben nur 44 Minuten pro Monat. Bei monatlicher Messung kann ein einziger schlechter Monat das Limit reißen, bei jährlicher Messung gleichen gute Monate schlechte aus.

Für Geschäfte mit klaren Spitzenzeiten (etwa Adventgeschäft) ist die monatliche Messung deutlich relevanter.

Was zählt als Ausfall

Reagiert die Website noch, aber Bestellungen funktionieren nicht: ist das ein Ausfall? Antwortet der Server, aber sehr langsam: zählt das? In schlecht formulierten SLAs zählen nur vollständige Nichterreichbarkeiten. Halbfunktion bleibt außen vor.

Eine saubere SLA definiert messbare Kriterien: HTTP-Status, Antwortzeit, kritische Transaktionen.

Was ausgenommen ist

Wartungsfenster, geplante Updates, Probleme bei Vorlieferanten, höhere Gewalt, Angriffe durch Dritte: All das wird in vielen SLAs aus der Verfügbarkeitsrechnung ausgenommen. Das ist legitim, muss aber transparent sein.

Wer alles ausnimmt, was üblicherweise Ausfälle verursacht, kann formal jede SLA einhalten und tatsächlich häufig nicht erreichbar sein.

Wer misst und wie

Im Idealfall misst der Anbieter selbst und legt die Messmethode offen. Im noch besseren Fall misst eine unabhängige Stelle von außen, mit klar definierten Prüfpunkten. Eigene Messung des Kunden ist im Streitfall wichtig.

Pönalen und Service-Gutschriften

Was passiert, wenn die SLA gerissen wird? Häufig gibt es Service-Gutschriften: ein Bruchteil der Monatsgebühr als Rabatt im nächsten Monat. Das deckt fast nie den Geschäftsausfall.

Wer ernsthafte Konsequenzen will, muss Pönalen einzeln verhandeln. Pauschalangebote bieten das in der Regel nicht.

Was Sie konkret prüfen sollten

Bevor Sie eine SLA-Zusage akzeptieren, klären Sie diese Punkte.

1. Messzeitraum. Monat oder Jahr? Monat ist strenger.

2. Definition von Ausfall. Welche Antwortzeiten gelten als verfügbar? Welche Funktionen werden geprüft?

3. Ausnahmen. Welche Zeiten werden nicht gezählt? Gibt es Wartungsfenster mit Vorankündigung?

4. Reaktionszeit bei Störungen. Wie schnell wird auf eine gemeldete Störung reagiert? Wie schnell beginnt die Behebung?

5. Wiederherstellungszeit. Gibt es eine Zusage, wann ein Ausfall spätestens behoben sein muss?

6. Pönalen. Was bekommen Sie bei einem Bruch der SLA? Reicht das wirtschaftlich?

7. Eigenmessung. Dürfen Sie selbst messen? Wird Ihre Messung anerkannt?

Welche Verfügbarkeit für welches Geschäft

Es gibt keine richtige Antwort für alle. Aber Anhaltspunkte.

99 Prozent. Für interne Werkzeuge ohne Kundenkontakt. Mehrere Stunden Ausfall pro Monat sind verkraftbar.

99,5 bis 99,9 Prozent. Für Unternehmenswebsites, Marketing-Plattformen, Blogs. Ausfälle sind ärgerlich, aber nicht geschäftskritisch.

99,9 bis 99,95 Prozent. Für Onlineshops und Buchungsplattformen mit konstantem Umsatz. Hier zählt jede Minute am Tag.

99,99 Prozent. Für Plattformen mit echter Echtzeit-Abhängigkeit oder hohen Transaktionsvolumina. Etwa B2B-Schnittstellen, die andere Geschäfte tragen.

99,999 Prozent. Selten gerechtfertigt. Kostet ein Vielfaches und bringt für die meisten Anwendungen keinen messbaren Vorteil.

Wichtig: Die zugesicherte Verfügbarkeit der Plattform ist eine Sache. Was tatsächlich an Ihrer Anwendung ankommt, ist eine andere. Eine perfekte Hosting-SLA hilft wenig, wenn Ihre Software regelmäßig abstürzt.

Wartungsfenster sinnvoll nutzen

Geplante Wartung muss kein Ausfall sein, wenn das Wartungsfenster klug gewählt ist. Frühe Sonntagmorgenstunden sind für die meisten B2C-Anwendungen unproblematisch. Für globale Dienste gibt es keine guten Zeiten, dort hilft nur ein Setup, das Wartung im laufenden Betrieb erlaubt.

Wer eine SLA mit großzügigen Wartungsfenstern unterschreibt, hat formal hohe Verfügbarkeit und tatsächlich planbare Ausfälle. Das kann genau richtig sein, sollte aber bewusst geschehen.

Was wir dazu beitragen

Wir betreiben für Kunden Anwendungen mit verschiedenen Verfügbarkeitsstufen, von 99,5 bis 99,95 Prozent. Realistisch und ohne Marketing-Versprechen. Im Rahmen unseres Managed Hostings prüfen wir mit Ihnen, welche Stufe Ihr Geschäft wirklich braucht.

Fazit

99,9 Prozent klingt nach Perfektion. Es bedeutet fast neun Stunden Ausfall im Jahr. Wer das weiß, kann seine SLA bewusst wählen und unangenehme Überraschungen vermeiden.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie wissen wollen, welche Verfügbarkeit zu Ihrem Geschäftsmodell passt. Kontakt aufnehmen.

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